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"LEBENDIGES LERNEN IM HERZEN VON WESEL"

 Wir sind ein Gymnasium in der Innenstadt von Wesel. Zur Zeit unterrichten hier rund 80 engagierte Lehrkräfte etwa 900 Schülerinnen und Schüler. Der fast familiären Atmosphäre zwischen Lehrern, Schülern und Eltern ist es vielleicht auch zu verdanken, dass unsere Schule so beliebt ist. Dass die Schülerinnen und Schüler gerne hier sind, hat unser jüngstes Ehemaligentreffen im September 2019 gezeigt, viele ehemalige AVG-ler feierten in vertrauter Atmosphäre ein gelungenes Wiedersehen mit freundlichen Menschen. 
Faktencheck

Das AVG bewegt sich - Einmal um die Welt

Liebe Schülerinnen und Schüler, liebe Kolleginnen Kollegen, liebe Eltern,

vorab hoffe und wünsche ich, dass ihr/sie und eure/ihre Familien alle gesund seid. Um die Zeit sportlich zu nutzen, schlage ich eine „Challenge“ vor.

Ziel ist es, gemeinsam unter #dasavgbewegtsich, jeden Tag mindestens 30 Minuten Sport zu treiben. Dies kann in Form eines Workouts, eines Dauerlaufes, Radfahren, Walken, etc., sein. Eventuell ladet ihr euch noch eine Fitness-App auf euer Handy... Als ein weiteres Ziel möchte ich, dass wir damit „Einmal um die Welt“ laufen.
D.h., alle Strecken werden auf Instagram oder in der Schul.cloud gepostet und als Progressbalken weiter unten zu sehen sein.

Ladet eure Sport-Bilder in eurer Story hoch und verlinkt diesen Account! (@dasavgbewegtsich).

WIR HABEN ES GESCHAFFT!!! GROßARTIG!!! WIR SIND STOLZ AUF ALLE TEILNEHMER UND GRATULIEREN ZUR WELTUMRUNDUNG 💪🤙✌️

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25.06.2020: Corona-Tagebuch des Literaturkurses von Frau Michels

Was macht ein Literaturkurs mit dem Schwerpunkt „Theater“ in Zeiten von Corona-Quarantäne und social distancing? Theater spielen mit Einsatz von Körper, Stimme, Mimik und Gestik - nicht mehr denkbar. Szenen ausprobieren, über ihre Wirkung streiten und sie verändern, einen Raum als Bühne gestalten - nicht umsetzbar. Möglich blieb: die momentane Situation selbst zum Thema machen, jeder für sich alleine, schreiben statt spielen. So entstand die Idee eines Corona-Tagebuchs. Für die Zeit der Schulschließung und des strengen lockdowns lautete die Aufgabe von Frau Michels: „Notiere jeden Tag einen Eintrag, in dem du aus deinem alltäglichen Leben als Schüler/in in dieser Zeit erzählst oder aufschreibst, was dir in dieser Zeit so durch den Kopf geht. Es gibt keine Vorgaben, wie du dies gestaltest und worüber du schreibst, das entscheidest du.“ Anfangs gab es noch die Idee, daraus eine szenische Lesung präsentieren zu können, doch mit der Verlängerung der Kontaktsperre nach den Osterferien war auch diese nicht realisierbar. So entstand aus den Texten einzelner ein gemeinsames Corona-Tagebuch des Kurses mit einer Auswahl unterschiedlicher Einträge. Viele Erfahrungen ähneln sich und doch erlebte jeder und jede die Zeit auf seine ganz persönliche Weise. Vielleicht findet sich der Leser darin wieder, vielleicht entdeckt er neue und andere Perspektiven. Für den Literaturkurs ist es auch ein Stück Erinnerung an eine sehr außer-gewöhnliche Zeit.

Sitzend am Schreibtisch
schaue ich aus dem Fenster:
Woran denke ich?

Mittwoch, 25.03.2020

Draußen geht die Welt unter – also irgendwie schon, aber in gewisser Weise auch einfach nicht. Mittlerweile komme ich mir vor wie in einem sterbenslangweiligen, dreistündigen Endzeitfilm, der sich in jeder Sekunde in die Länge zieht, nur um dann in den letzten fünf Minuten die ganze Menschheit auszulöschen oder ein unglaubwürdiges Happy End an den Schluss zu quetschen. Und der Film läuft um 1.05 Uhr auf irgendeinem Spartensender, wo man verzweifelt sucht, ob es den Teletext nicht doch noch gibt. Und dann sind auch noch die Batterien der Fernbedienung leer, sodass man gar nicht mehr wegkommt. Versucht man es am Gerät selbst, verschwindet bloß das Bild und der Ton wird einfach mal lauter und zehn Oktaven tiefer, sodass einem die bizarr verzerrten Schreie gegen die Ohren peitschen können. Was für ein gelungener Abend.

Donnerstag, 26.03.2020

Nun ist es wohl soweit, die Schule ist dicht. Viele Schüler, darunter auch ich, haben darauf mit Spannung gewartet, wir wollten unbedingt, dass unsere Schule geschlossen wird, am besten gar nicht mehr aufmacht, und jetzt ist es soweit. Aber ist das das Szenario, das wir uns vorgestellt hatten? Eine Epidemie, die schon tausenden Menschen das Leben gekostet hat. Anfang des Jahres machten sich Gerüchte über einen „chinesischen“ Virus breit. Auch ich habe das zunächst als etwas abgetan, das fernab von uns irgendwo auf der Welt geschieht, aber dass wir plötzlich persönlich mit so etwas Fremdem konfrontiert sind, ist erschreckend. Viele Bürger geraten in Panik, tätigen Hamsterkäufe, die Nation dreht durch. Mit Heinsberg haben wir einen großen Infektionsbrandherd nur knapp 100km von uns entfernt. Wird das Virus sich so stark ausbreiten, dass wir nie wieder vor die Tür dürfen? Werde womöglich auch ich angesteckt? Wir müssen abwarten.


Normalerweise wäre ich schon längst in der Schule. Nun bin ich aber Zuhause und bekomme andauernd neue Aufgaben geschickt. Da kommt man teilweise gar nicht hinterher. Natürlich wird eine Grundlage zur Bewertung benötigt. Aber ob das der richtige Weg ist, Unmengen an Aufgaben anfertigen zu lassen und einzufordern? Naja, was will man machen?

Freitag, 27.03.2020

Ich weiß, dass die getroffenen Maßnahmen wichtig sind. Vor allem wenn man sich die Bilder aus Spanien und Italien anschaut, kann ich verstehen, warum diese Maßnahmen beschlossen wurden, und ich halte mich daran und akzeptiere sie.

Aber leider muss momentan so viel durch die Corona Krise abgesagt werden, auch Veranstaltungen, Ausflüge oder Partys, auf die man sich schon so lange freut. Ich werde nächste Woche Samstag endlich 18. Auf diesen Tag freue ich mich schon so lange. Endlich volljährig! Endlich alleine Auto fahren, legal im Verein hochprozentigen Alkohol trinken und einfach unabhängiger, erwachsener sein. Ich habe mich so auf diesen Tag gefreut. Ich wollte an diesem Tag feiern, mit allen Menschen, die mir wichtig sind, mit Familie und Freunden. In den Osterferien wollte ich dann eigentlich mit meinen Schwestern und den Zwillingen einen Ausflug machen. Irgendwo mit dem Auto hinfahren. Beides kann man nun vergessen. Die Party ist abgesagt und ich kann noch nicht mal meine besten Freundinnen einladen. Was ist das bitteschön für ein achtzehnter Geburtstag? Nur mit den Eltern und den Geschwistern feiern. Ich weiß, dass niemand etwas dafür kann, aber es ärgert mich einfach und macht mich traurig. Meine Eltern sind bemüht, mir trotzdem einen schönen Tag zu machen, aber wie soll der denn aussehen? Dass die Party verschoben wird, ist mittlerweile o.k. für mich. Die wird nachgeholt, entweder im Sommer oder ich feiere nächstes Jahr meinen neunzehnten groß. Meine Eltern sagen, dass der Geburtstag noch das geringste Übel ist und dass der auch nicht so wichtig ist und sie sich auch gar nicht mehr an ihren achtzehnten erinnern können. Aber dass der Tag sich wahrscheinlich wie jeder andere Tag hier zuhause anfühlen wird und nichts Besonders sein wird, hält mittlerweile die Vorfreude in Grenzen. Ich weiß, dass es nur ein Tag ist, aber wenn man sich seit Monaten darauf freut, alles geplant hat und so viel vorhat und dann alles aufgrund dieser Corona-Krise abgesagt werden muss . . . Ich glaube, ich werde erst richtig realisieren, dass ich 18 bin, wenn das Kontaktverbot aufgehoben ist, wenn der Alltag wieder normal ist, man zur Schule geht und sich mit Freunden treffen kann.

Aber um eins bin ich echt froh, nämlich darüber, dass ich nicht direkt zum Gymnasium gegangen bin, da ich sonst dieses Jahr mein Abi machen würde. Die Abiturienten tun mir echt leid, da bei ihnen auch alles, worauf sie sich gefreut haben, wie zum Beispiel die Motto-Woche und der Chaos-Tag, ausfällt.

Ich hoffe einfach, dass diese Kontaktsperre und die Corona-Krise im Allgemeinen nicht allzu lange anhält und bald der Alltag wieder normal weiter gehen kann. Eigentlich soll ja nach den Osterferien die Schule wieder ganz losgehen, aber daran glauben wir hier zuhause nicht wirklich, obwohl es zu wünschen wäre, denn dann wird hoffentlich nicht der ganze Sommer ins Wasser fallen und man kann sich endlich wieder ganz normal mit Freunden treffen. Kurz gesagt, das Leben würde ganz normal weitergehen, wie wir es nicht anders kennen.


Gestern Abend habe ich mit meinen Freunden geskyped. Seit wir uns nicht mehr täglich sehen, merke ich erst mal wieder, wie wichtig Freunde im Leben eigentlich sind und dass man gemeinsame Aktivitäten viel mehr wertschätzen sollte. Und auch seine Freiheiten sollte man mehr wertschätzen, da diese heute nicht mehr so selbstverständlich sind wie früher.

Montag, 30.03.2020

„Nähe ist keine Frage der Entfernung.“ (Hermann Lahm)

Durch die Technologie, die wir besitzen, ist es uns möglich einander jederzeit zu erreichen. Ich glaube, ich habe noch nie so viel mit meinen Freunden telefoniert. Irgendwie haben wir es auch geschafft, gemeinsam Spiele zu spielen und uns so die Zeit zu vertreiben. Dann haben wir darüber gesprochen, dass unsere Kinder (falls wir welche haben) das Coronavirus im Geschichtsunterricht durchnehmen und sich mit der momentanen Krise beschäftigen müssen. Viel Spaß dabei.


„I´m so sorry“, ein Lied von den Imagine Dragons, welches ich gerade höre. Passt doch super zu Amerika, oder? Trump könnte doch mal sagen: „I´m so sorry. Ich habe die Lage wohl unterschätzt.“ Aber ich will das Lied nicht mit diesem Namen abwerten. Vielleicht ist mir das gerade auch nur eingefallen, weil man hier ja etwas über Corona schreiben kann. Weg mit diesen gemeinen Gedanken. Was bringen sie? Auseinandersetzung mit der Situation? Nein danke. Davon habe ich schon genug im Radio oder TV. Die sprechen für mich genug über Corona.

Also, was habe ich heute erledigt? Geschichte, etwas Deutsch und Literatur. Ich war im Schreib-Flow. Jetzt wartet auf mich das zweite Buch, welches Samstag gekommen ist. Die „3 Lilien“ waren bis jetzt nicht ganz so spannend. Ganz anders „Frost and Fire“, es beginnt mit action und man fühlt mit diesem temperamentvollen Mädchen namens Ruby.

Ich war heute vor dem Mittagessen mit Omi spazieren. Leider hat meine active Uhr den Weg nicht aufgezeichnet bzw. die Zeit, wie lange wir gebraucht haben.

Thema Genuss: Heute Abend gab es wieder Erdbeer-Ananas-Crumble, lecker und zudem gesund. Da könnte ich mich reinknien, morgens, mittags und abends.

Stand meines dämlichen Hustens: Immer noch da, aber ich merke, er verschwindet und ist nicht mehr so schlimm im Klang.

Meine Axolotl rufen, sie wollen gefüttert werden.


Heute ist der vorletzte Tag im März des Jahres 2020. Und der Beginn der letzten Woche vor den offiziellen Osterferien, also der voraussichtlich letzten Woche des homeschooling.

Das bringt mich zu Gedanken über die Zeit während der Ferien und die Zeit, die auf diese zwei Wochen folgt. Die Pläne des Trips gemeinsam mit Hanna zu meiner Tante nach Darmstadt und des damit verbundenen Trips nach Frankfurt sowie ein geplanter Tag in der Skihalle sind verworfen – immerhin mit dem Hintergedanken, sie nachzuholen. Viel mehr frage ich mich, was ich stattdessen unternehmen könnte. Bis jetzt habe ich keine Ahnung.

Ähnlich wenig Ahnung habe ich davon, wie es nach den Ferien in der Schule weitergehen wird. Obwohl die letzte Klausurphase noch nicht wirklich abgeschlossen ist, wird die letzte dieses Schuljahres kurz nach den Ferien beginnen.

Wie man merkt, drehen sich viele meiner Fragen rund um dieses Thema. Das liegt nicht daran, dass ich versessen auf Klausuren bin, sondern daran, dass ich das Gefühl anstehender Klausuren deshalb nicht losgeworden bin, da mir unmittelbar vor meiner geplanten Matheklausur gesagt wurde, dass ich nun drei Wochen zu Hause bleiben muss und ich das Gefühl nicht loswerde, kurz vor einer Klausur zu stehen.

Auf der anderen Seite kann ich viele andere Gedanken nicht von meinem Gehirn in Schrift übertragen, da es mir nicht ganz klar ist, was für Gedanken das sind. Alltägliche und gewohnte Gedanken, Corona- Gedanken . . .

Dienstag, 31.03.2020

Inmitten meiner Aufgaben, die ich für die Schule machen muss, herrscht eine Pandemie in der Außenwelt. Ich bin mir sicher, dass wohl dieses Ereignis in den späteren Geschichtsbüchern auftauchen wird und ich habe es live erlebt und hoffentlich auch überlebt. Denn man weiß ja nie, ob man das Virus in sich hat, denn auch ohne Symptome ist eine Übertragung auf andere möglich. Gerade deshalb muss ich nochmals besonders aufpassen, da innerhalb meiner Familie ein Risikopatient ist, der besonderen Schutz benötigt. Demnach trage auch ich Verantwortung für diese Person!

Mittwoch, 01.04.2020

„Hoffnung ist ein Lebensmittel.“ (Else Pannek)

Wäre die Hoffnung wirklich ein Lebensmittel, wäre es sicherlich schon längst ausverkauft und gehamstert worden. Wahrscheinlich von denen, die sowieso genug haben. Faire Welt.


Heute war der 89. Geburtstag meiner Uroma. Meine Eltern, meine Schwester und ich wollten sie sehr gerne besuchen, da man nie weiß, wie viele Geburtstage sie noch erleben wird. Aufgrund der aktuellen Lage haben wir sie aber lieber ausschließlich angerufen. Gerade ältere Menschen gehören ja zur Risikogruppe. Aus diesem Grund mache ich mir natürlich große Sorgen um sie und natürlich auch um meine Großeltern und hoffe einfach, dass alle diese Zeit gut überstehen.


Heute ist der 1. April ein Tag wie jeder andere, doch nicht für meinen Bruder. Er musste natürlich wenigstens einen Streich spielen, ausgerechnet als ich gerade angefangen habe, neue Tänze zu lernen. Ich tanze für mein Leben gerne und da ich ja keinen Unterricht mehr habe, habe ich beschlossen selber ein paar Tänze zu lernen.


April, April. Ich habe heute mit Mama nach Aprilscherzen und Witzen gesucht. Irgendwann muss man auch mal Witze machen. Sonst geht in der Quarantäne der Humor verloren und damit die Lockerheit, manche Dinge so zu nehmen, wie sie halt sind.

Heute ist Mittwoch, oder? Und heute hätte ich lange Schule gehabt, bis 15 Uhr. Dementsprechend konnte ich das Motivationstief von gestern aufarbeiten. Chemie für morgen, Englisch und Deutsch. Das war nicht wenig. Für Deutsch war heute der Patriarch von „Nathan der Weise“ dran. Zufall, am ersten April die Spottfigur des Patriarchen analysieren.

Außerdem habe ich heute das Buch „Frost and Fire“ zu Ende gelesen. Das Ruby als Feuerkind ausgerechnet das Schattenkind aus dieser Prophezeiung sein soll, hat mich überrascht.

Mein Husten verbessert sich. Langsam, aber ich merke schon, dass sich etwas verändert durch die Tabletten. Jetzt kratzt es nicht mehr so.

Der tägliche Gang an den Rhein ist heute auch erfüllt. Schöne 4 km. Seit der Corona-Sperre laufen wir täglich.

Und ich habe mir heute „Animal Crossing“ von Nintendo als Handyversion geholt. Früher habe ich das nie gespielt und jetzt . . . Aber es ist gut. Vertreibt einem die Zeit und man pflegt virtuell Freundschaften, auch wenn auf eine andere Art. Meine Cousine zum Beispiel hat sich Sims geholt. Ein Hoch auf die Wiederentdeckung „älterer“ Spiele aus Nintendo-Kindertagen.

Meine Cousine hat noch mehr Zeit als ich, als Studentin in Spanien. Zum Glück geht es ihr gut. Immerhin haben wir am Sonntag per Video miteinander gechattet, was eine nette Abwechslung war.


An das Positive zu denken, das aus dieser Krise resultieren kann, ist meiner Meinung nach die einzige Möglichkeit, dem Informationsschwall der Medien zu entkommen.

Ich verstehe nicht die Forderungen nach Lockerungen oder die Beschwerden darüber, Langeweile zu Hause zu haben. Ich verstehe nicht, weshalb auch Jugendliche noch ihre Corona-Partys durchgeführt haben. Ein bisschen Solidarität wäre in so einer Situation doch angebracht. Verglichen damit, was in anderen Ländern passiert, ist das nichts. Vor allem wir Jugendliche sollten es am leichtesten haben, zu Hause zu bleiben. Wir haben Internet und können so mit Freunden kommunizieren. Man kann doch die Zeit für Dinge nutzen, die man schon immer machen wollte. Wenn nicht jetzt, wann dann? Gerade weil das nächste Virus wahrscheinlich nicht allzu lange auf sich warten lassen wird. Ich bin davon überzeugt, dass dies alles erst die Vorstufe ist und wir in den nächsten Jahren noch mal richtig überrollt werden.

Doch irgendwie hat die ganze Situation auch etwas Skurriles an sich. Es fühlt sich an, als würde die Natur sich ihre Luft zum Atmen wiederholen. Die Welt rächt sich mit einem Virus für die Zerstörung durch die Menschen. Ein Virus, das sich dadurch verbreitet hat, dass jemand meinte, irgendein Tier auf einem unhygienischen Markt essen zu müssen. Und die Folge davon ist, dass 60% der Weltbevölkerung dieses Virus haben werden. So etwas kann man sich nicht ausdenken und ich kann mir nicht helfen, es klingt ein bisschen wie ein Karma für die Menschheit. Gleichzeitig wird aber auch eine andere, bessere Welt aufgezeigt, ohne verschmutzte Luft, mit mehr Solidarität, also gesellschaftlichem Zusammenhalt. Insofern glaube ich, dass es Zeit ist, uns als Spezies zu beweisen und zu bessern, aus unseren Fehlern zu lernen. Wir müssen mehr Solidarität zeigen, infolgedessen weniger egoistisch sein und auch in dieser Zeit auf unsere Mitmenschen achten, zum Beispiel auf die Betreiber unseres kleinen Lieblingsladen, die in dieser Zeit auf finanzielle Unterstützung angewiesen sind. Sonst wird es das nächste Mal, wenn wir wieder normal in die Stadt wollen, ganz anders aussehen.

Donnerstag, 02.04.2020

Heute habe ich geholfen, unser Wohnzimmer zu streichen, was ziemlich anstrengend war, weil wir jede Wand mehrmals überstreichen mussten. Irgendwie ist der Anblick der Wände ungewohnt und komisch. Wir wohnen hier schon seit meinem sechsten Lebensjahr, damals haben meine Eltern das Wohnzimmer extra für mich in ganz bunten Farben gestrichen. Jetzt ist alles weiß. Aber Veränderungen gehören zum Leben dazu und dieses Jahr wird sich noch viel mehr verändern, immerhin werde ich achtzehn.


Die Sonne hat heute tatsächlich geschienen! (Fast) pünktlich zum Beginn des Aprils. Darum habe ich das Wetter genutzt und mit einer Runde an der frischen Luft den Frühling gestartet.

Wenn man überlegt, was weiterer Teil des Frühlings ist, dann sind Gedanken an Ostern nicht abwegig. Darauf ist Merkel auch bereits gestoßen und hat somit frühzeitig erklärt, wie Ostern dieses Jahr bestenfalls auszusehen hat: ohne große Familienfeier oder sonstigen sozialen Kontakt. Wieder einmal sind diese Anforderungen an die Gesellschaft nicht unbedingt schön, aber notwendig und sinnvoll. Dieses Jahr wird es also keinen Gottesdienstbesuch geben und ebenso wenig ein Zusammenkommen der Familie. Bei einigen kommt da Freude auf, da sie weder Gottesdienstbesuche mögen noch die möglicherweise etwas anstrengende Familie. Diejenigen, die nicht so denken, sind nun gezwungen umzudenken; es gibt auch andere Wege, Ostern zu feiern.

Bei uns fällt das Eierbemalen nicht aus. Auch das Backen von Hefekränzen und weitere Oster- Aktivitäten können mit sozialer Distanzierung funktionieren. Mir tun nur die Großeltern Leid, die Ostern nun allein und ohne Enkelkinder und Kinder verbringen müssen, auf die sie sich sonst immer so sehr gefreut haben. Ich hoffe, dass diesen Familien schöne Alternativen einfallen.

Freitag, 03.04.2020

Ich will nicht mehr. Warum sind Hausaufgaben so anstrengend? Gut, dass ich gleich fertig bin, dann kann ich chillen und entspannen. Meine Knochen tun auch schon weh.

Immerhin ist heute der letzte Tag vor den Ferien, also erstmal zwei Wochen Pause von neuen Aufgaben. Aber, da gibt es auch noch alte Aufgaben . . . Bin ich froh, wenn wir wieder normal Unterricht haben, dann fühlt man sich bestimmt nicht mehr so überfordert mit allem.

Ich schicke diese letzte Aufgabe jetzt ab und dann heißt es: „Hallo Couch!“


Es ist wieder Freitag – schon wieder ist eine Schulwoche herum und die Ferien beginnen. So richtig weiß ich nicht, was ich denken soll. Ich bin mir unsicher, wie es nach den Ferien weitergeht, was ich während der Ferien machen kann und ob überhaupt das Gefühl von Ferien entsteht.

Nach den Ferien bleiben dann auch nur noch etwa zwei Monate bis zu den Sommerferien und damit nur noch zwei Monate in der Q1! Die Zeit vergeht doch ein wenig schnell. Zu schnell? – Ich weiß nicht, wann etwas zu schnell geht. Das hängt wohl davon ab, wieviel Stress daraus folgt. Das kann ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht beantworten, was eine gewisse Nervosität in mir aufkommen lässt. Ich weiß nicht, was mich nach den Ferien erwartet, weiß nicht, wie es mit den Klausuren ablaufen wird, und weiß nicht, wie die Krise generell weiterverläuft.

Was ich weiß ist eines, an das ich mich zwingend halten muss, da es keine anderen Möglichkeit gibt: Ich muss abwarten und, so gut es geht, Ruhe bewahren.

Mittwoch, 08.04.2020

Ich war heute mit meiner Mutter einkaufen. Wie es immer so ist, kamen wir mit der Verkäuferin ins Gespräch und unterhielten uns über so einige Sachen. Ich war richtig schockiert, als sie uns erzählte, dass bereits 20 Minuten, nachdem die Klopapier-Regale wieder aufgefüllt worden sind, diese bereits leer sind! Klar wusste ich, dass viele jetzt Klopapier horten - was ich überhaupt nicht nachvollziehen kann -, aber dass das so schlimm ist, hätte ich nicht gedacht. Beleidigungen gehörten ebenfalls zur Tagesordnung, teilte sie uns mit. Dieses Verhalten zeigt doch eindeutig, wie egoistisch manche Menschen handeln. Aber wer würde nicht in einer Krisensituation erst an sich und seine Familie denken?

Freitag, 10.04.2020

Ein Freund von mir hat gesagt, dass die Isolation zwar für alle ähnlich sei und jeder sich mit sich selbst beschäftigen müsse, der Unterschied aber sei, wie die Personen damit umgehen könnten. Mir zum Beispiel tut die Isolation auch gut, ich kann mich mit mir selbst und Themen beschäftigen, zu denen ich sonst nicht so gekommen bin. Andere Personen, die vielleicht mit sich selbst nicht gut klarkommen oder psychischen Druck verspüren, für die wird die Situation sich auch anders darstellen.

Wobei auch ich merke, wie soziale Kontakte ein wenig darunter leiden, wenn man sich nicht sieht. Auch telefonieren kann das nicht ersetzen. Manchmal braucht man auch einfach physische Nähe, die jetzt fehlt. Aber auch Streitereien treten auf, weil man einfach gereizter reagiert, als man will, oder man sich auch Gedanken über den Zustand einer Beziehung macht.

Ich bin gespannt, wann der Alltag wieder einkehren kann und man guten Gewissens Partys feiert.

Vermutlich wird die Politik die Beschränkungen so regulieren, dass das Gesundheitssystem möglichst wenig darunter leidet und die Krankheit langsam verschwindet, weil sich genug Menschen angesteckt haben. Aber wie lange dauert das? Wahrscheinlich solange, bis hoffentlich der Impfstoff verfügbar ist. Aber wie viele Menschen werden in dem Zeitraum gestorben sein?

Freitag, 17.04.2020

Vorgestern wurde beschlossen, dass weiterhin die Schulen mindestens bis zum 3. Mai geschlossen sein werden. Das bedeutet wohl, weiterhin die Inhalte selber erfassen und lernen, naja ich bin es ja schon mittlerweile gewohnt. Wann wohl wieder ein normales Leben möglich sein wird, wie in Zeiten vor der Pandemie? - Nachdem wohl ein Impfstoff entdeckt wurde gegen das Virus. Dennoch ist es wichtig, gerade jetzt einen kühlen Kopf zu bewahren und nicht verrückt zu werden. Wer weiß, vielleicht werde ich irgendwann daran zurückdenken und darüber lachen, wer weiß?

Dienstag, 21.04.2020

Es ist der erste Dienstag nach den Ferien und heute hat mein kleiner Bruder Geburtstag. Er ist jetzt 15 Jahre alt und wollte eigentlich in den letzten Wochen seinen Rollerführerschein machen, aber das ging ja wegen Corona nicht.

Da es heute etwas kühler ist, sitzen wir im Esszimmer und essen Kuchen, den ich gemacht habe. Trotz Quarantäne haben wir uns einen schönen Tag gemacht und es gab auch einige Überraschungen.

Einige aus unserer Familie sind nämlich einfach vorbeigekommen und haben kleine Geschenke vor unsere Tür gestellt und haben dann geklingelt. Mein Bruder hat sich sehr gefreut und den Tag mit Sicherheit genossen.

Das Beste war unser Spieleabend heute und die Pizza. Wir haben mal keinen großen Wert darauf gelegt, so viele Aufgaben wie möglich zu schaffen, sondern darauf, einfach auch mal zu entspannen und die Zeit zu genießen. Das war sehr schön heute.

Mittwoch, 22.04.2020

Eigentlich bin ich davon ausgegangen, schon längst wieder in der Schule zu sein. Stattdessen hat sich im Grunde überhaupt nichts geändert und man sitzt immer noch Zuhause mit Aufgaben und Langeweile. Auch wenn man genügend zu tun hat, macht man sie teilweise trotzdem nicht, weil man die Motivation verliert und sich die Bearbeitung teilweise so in die Länge zieht, dass man einfach keine Lust mehr hat. Naja, was will man machen?

Donnerstag, 23.04.2020

Dadurch, dass man nicht mehr zur Schule geht, weiß ich manchmal gar nicht, welcher Wochentag heute ist. Zwar passiert das nicht immer, aber wenn ich mal denke, dass es Mittwoch ist und erfahre, dass es schon Donnerstag ist, denke ich mir nur: Wow, dein Raum-Zeit-Gefüge ist dann wohl auch hinüber.


Vorhin waren wir mit der Familie im Autokino in Kleve, welches auf dem Parkplatz des normalen Kinos improvisiert wird. Die Situation war für mich sehr ungewohnt, tatsächlich kannte ich diese Form des Kinos vor Corona gar nicht. Es war aber sehr interessant, eine solche neue Erfahrung zu machen. Generell war es sehr schön, mal wieder raus zu kommen und sozusagen eine Aufgabe zu haben.

Freitag, 24.04.2020

Heute waren wir seit langem mal wieder richtig draußen und sind am Auesee spazieren gegangen. Dabei haben wir nach Vögeln Ausschau gehalten, da meine Schwester die Vögel für ihr Studium bestimmen muss. Früher hat man das gar nicht so wertgeschätzt, einfach mal zum Auesee zu fahren und dort die Sonne zu genießen. Es war schon fast selbstverständlich, im Sommer jeden Tag mit den Freunden dahin zu fahren und ohne Bedenken dort Zeit zu verbringen. Man musste keinen Abstand halten, konnte sich auch Essen und Trinken teilen und einfach Zeit zusammen verbringen.

Heute sehe ich meine Freunde nur über Skype, und vor allem sehe ich auch nicht alle meine Freunde.


It´s Friday. Mein heute geschafftes Tagespensum beinhaltet Mathe und Chemie, meine beiden LKs. Erst wollte ich Religion machen, aber dann ist mir Chemie eingefallen. Nach Mathe blieb ich also beim Rechnen und musste keinen Text schreiben. Es ist so schön draußen und ich sitze drinnen, weil man manchmal mehr bekommt, als man im normalen Unterricht schafft. Egal.

Heute haben wir auch meine neue Brille abgeholt und bei Iserloh einen Freund getroffen. Der musste Scheiben zum Schutz aufhängen. Aber zurück zur Brille, die ist jetzt, anders als ihre Vorgänger, grünlich. Mal sehen, wem es in der Schule auffällt. Mama meinte schon, dass wahrscheinlich niemand die neue Brille bemerkt, weil man sich so lange nicht gesehen hat.

Morgen und übermorgen wird bei uns gegrillt und dafür musste noch Fleisch und Fisch geholt werden. Morgen gibt es lecker Fisch, eine Lachsforelle. Wenn es nach mir geht, könnte es Sonntag auch Fisch geben. Fisch esse ich viel lieber als Fleisch.

Heute Morgen um 8.15 Uhr war ich joggen und um halb sechs bin ich mit Mama nach Büderich zu meiner Tante mit dem Rad gefahren. Das waren 8 km und der Rückweg war sehr windig.

Eben war ich noch kurz spazieren, Geld wegbringen für Masken. Die Mutter einer Freundin hat welche gemacht und da man ab Montag welche benötigt, haben wir die gekauften gerade bezahlt.

Und jetzt werde ich vermutlich noch eine Testprüfung für die Fahrschule machen.


Eigentlich wäre es ja ein Grund, sich zu freuen. Die Woche neigt sich dem Ende zu und das Wochenende steht vor der Tür. Aber selbst das Wochenende bietet in dieser Zeit einfach kaum Abwechslung. Außerdem hat man so oder so immer noch genug Aufgaben zu erledigen. Naja, was will man machen?


Da ich, bis auf meine Hausaufgaben zu erledigen und zu lesen, kaum eine andere Beschäftigung habe, habe ich angefangen noch mehr auszumisten. Ich habe viele Sachen gefunden, die ich vor Jahren verlegt habe, und Spielzeug aus meiner Kindheit. Mir fällt es sehr schwer, mich von etwas zu trennen, aber es muss sein.


Heute bin ich mit meiner besten Freundin einmal um den ganzen See gelaufen. Es tat sehr gut, mal wieder in der Natur unterwegs zu sein und etwas Bewegung zu bekommen. Zwar mache ich täglich workouts und tanze, aber dadurch bedingt, dass keine Schulen usw. geöffnet haben, hat man insgesamt doch sehr viel weniger Bewegung. Außerdem war es sehr schön, sich noch einmal mit jemandem über die ganze Situation austauschen zu können und generell mal „ein anderes Gesicht zu sehen“ als die Familie, mit der man seit Wochen pausenlos unter einem Dach lebt.

Dienstag, 28.04.2020

Ich war heute in der Stadt, was ziemlich komisch war nach so langer Zeit. Alle, und ich natürlich auch, haben Schutzmasken getragen. Ich habe mich ein bisschen gefühlt wie in einem Horrorfilm. Mir ist aufgefallen, dass es zwar einige Menschen gab, die sich so gut wie möglich an die Regeln gehalten haben, aber nicht alle. Als ich in einer Schlange stand, wurde eine ältere Frau hinausbegleitet, weil sie sich geweigert hat einen Mundschutz im Geschäft zu tragen. Mir ist klar, dass viele mit den neuen Regeln nicht einverstanden sind und sie zu übertrieben finden, aber trotzdem sollte man sich daran halten. Die Frau, die keinen Mundschutz tragen wollte, gehörte augenscheinlich zur Risikogruppe, deshalb war ihr uneinsichtiges Verhalten für mich sehr fraglich.


Irgendetwas stimmt mit mir nicht. Ich war heute spazieren! Sechs Kilometer im Schneckentempo mit meinem kleinen Bruder durch die Gegend trampeln und verzweifelt schöne Flecken am Rande Brünens suchen. Man fühlt sich danach auch nicht besser. Höchstens hat man Sand in den Schuhen.

Worauf will ich hinaus? Dass mein größtes Problem Sand in den Schuhen ist? Naja, ich denke, ich rede lieber über das, was mich auch wirklich betrifft, und nicht über generelle Probleme, denn dazu findet man an jeder Ecke andere Informationen, die letztendlich einfach nicht zusammenpassen. Hier eine Lüge, da eine Verschwörungstheorie, hier wurde die Wahrheit einfach missverstanden und dort vorne hat man sich die Lüge genommen, sie für die Wahrheit gehalten und deswegen noch ein paar erstunkene Sätze hinzugefügt. Wer soll da noch den Überblick behalten? Da schweige ich lieber und spreche über Sand in den Schuhen.

Momentan steht Corona bei mir einfach nicht im Mittelpunkt. Glücklicherweise, sonst würde ich mir auch vorkommen wie irgendeine Moderatorin, die mit übertriebenem Grinsen die Worte einfach vor sich hin lächelt: „Willkommen bei der Tagesschau. Heute geht es um Corona, Corona in Wesel, die Entwicklung der Krise und wie Sie Ihre Hände für fünfzehn Minuten waschen und immer noch etwas Schmutz vergessen. Gleich im Anschluss: „Harry Potter und die Leiden der Pandemie“ und darauf „Star Wars – Corona kehrt zurück“. Leider wurde „Herr der Krise: Die Rückkehr des Klopapiers“ auf den nächsten Sonntag verschoben. Wir bitten um Ihr Verständnis.“

Mittwoch, 29.04.2020

„Stille klingt fantastisch.“ (Andrea Mira Meneghin)

Eine Freundin sagte einmal während eines Anrufes, sie habe das Gefühl, dass es beim Telefonieren, unabhängig davon ob mit oder ohne Video, weniger Stille gäbe. Weniger Sprechpausen entständen. Ich selbst telefoniere teilweise, ohne viel zu reden. Dann kann es sein, dass wir beide noch an Aufgaben für die Schule sitzen, aber uns dennoch für ein Telefonat entschieden haben, denn somit ist jemand da und das Wissen, dass da jemand ist, macht diese Zeit nicht so einsam. Man muss nicht reden, wenn man auch das Schweigen des anderen genießt. Und an manchen Tagen reicht es zu wissen, dass da jemand ist, wenn man reden möchte.

Sonntag, 03.05.2020

Seit ein paar Tagen gucke ich mir oft und gerne Bilder von früher an, egal von wann. Und dann fällt erst recht der Unterschied zu damals auf. Die Kinder, die man da sieht, sehen so glücklich und sorglos aus, wie sie im Sommer draußen am Pool mit ihren Freunden spielen. Und dann fällt es auf, dass man selbst eines der Kinder ist, man momentan aber nichts mehr mit dem Kind von früher gemeinsam hat. Man ist weder sorglos, da man Angst hat, dass nahestehende Menschen, die vorerkrankt sind, das Virus bekommen, noch ist man so glücklich wie früher, da man über vieles nachdenkt.

Montag, 04.05.20

Als ich mir auf Facebook Beiträge angeschaut habe, bin ich auf ein lustiges Bild aufmerksam geworden. An der Fensterscheibe einer Buchhandlung hing ein Zettel, auf welchem stand: ,,Wir möchten sie darauf hinweisen, dass wir die Werke der postapokalyptischen Science-Fiction-Literatur in die Abteilung für aktuelles Zeitgeschehen verlegt haben.“ Das ist, wie ich finde, mehr als passend. In einer Welt, in der Menschen mit zehn Packungen Klopapier und Nudeln bewaffnet aus Läden stürmen und dabei Masken tragen, kann es sich doch nur um eine Apokalypse handeln, oder?


Es soll vieles gelockert werden, so sollen bald wieder Geschäfte unter 800 m² öffnen dürfen. Man wird sehen, wie sich solche Lockerung auf die Infektionszahlen auswirken werden. Ich hoffe, dass diese ganze Corona-Sache bald vorbei ist. Eigentlich wollten wir als Familie im Sommer nach Spanien fahren, die Grenzen sind allerdings für Touristen zu und werden, wie es aussieht, auch noch bis auf weiteres geschlossen bleiben. Ich hatte nicht gedacht, dass das am Anfang als so harmlos beschriebene Virus hunderttausende Menschen töten würde. Ein Szenario, das wir uns vor einem Monat noch nicht einmal hätten ausdenken können.

Der nervigste Faktor, neben der Langeweile, die durch die Kontaktbeschränkungen entsteht, ist, dass vor allem Verschwörungstheoretiker Hochkonjunktur haben und jetzt immer mehr Menschen von ihren wilden Theorien überzeugen können. Ich glaube nichts von dem, was diese Leute sagen: Das Virus sei ein Mittel der Chinesen, um die Weltbevölkerung zu reduzieren. Oder Bill Gates habe da seine Finger im Spiel oder was auch immer. Wie absurd, dass solche Fake-Journalisten mit solch einem Quatsch Geld verdienen.


Mittlerweile finde ich beängstigend, was diese Einschränkung der Grundrechte, die angesichts solch einer Pandemie eigentlich selbstverständlich durch Abwägung hingenommen werden sollte, innerhalb der Bevölkerung lostritt. In Verbindung mit diesem Umstand und damit, dass Virologen die Politiker beraten, werden viele Verschwörungstheoretiker laut, die meinen, „kritisch“ zu denken und nicht den „Mainstream-Medien“ hinterherzurennen.

Doch was daran verunsichert mich denn nun? Bin ich nur empfindlich und ignorant gegenüber Leuten, die eine gegensätzliche Meinung haben? Oder bergen diese Theorien vielleicht doch eine nicht zu unterschätzende Gefahr?

Wie in den letzten Tagen in den Medien laut wurde, haben bereits mehrere Verschwörungstheoretiker, die sich entweder als Wissenschaftler, Journalisten oder als einzige klar denkende Personen darstellen, in Städten zu Demonstrationen aufgerufen. Sie mögen auch Wissenschaftler oder Journalisten sein, doch eins sind sie nicht: rational denkende, sich auf Fakten beziehende Personen.

Was ist also so schlimm daran, wenn einzelne Bekloppte mit uminterpretierten Daten meinen, beweisen zu können, dass Bill Gates Corona initiiert hat, um seine Macht zu vergrößern? Schlimm ist, dass tatsächlich zahlreiche Menschen diesen Alphapersonen Glauben schenken, sie als Querdenker ansehen, sie als glaubwürdige Personen anerkennen, sie sich als bessere Machthaber wünschen.

Die Gefahr ist nicht die Person, die Quatsch erzählt, sondern die Anzahl derer, die es glauben. Dass die Zahl an Verschwörungstheoretikern, die diesen Titel übrigens abstreiten, zunimmt, lässt sich an der Vielzahl der Demonstrationen erkennen, bei denen die Kontaktbeschränkungen nicht eingehalten werden.

Ein paar Antworten aus ihrer Sicht: Ob es Corona gibt? Nein. Ob Bill Gates dahinter steckt? Ja. Ob Corona jungen Menschen gefährlich werden kann? Nein. Ob man zum Impfen gezwungen werden wird, was eine Gefahr für die Menschheit darstellt? Ja. Und zuletzt: Wer profitiert davon und wer ist gefährdet? Die Politik und die Pharmaindustrie profitieren, die Demokratie und das Volk sind gefährdet.

Diese Antworten und das damit einhergehende rücksichtslose Verhalten verdeutlichen, dass die Masse derer, die dies glauben, stark anwachsen und so eine echte Gefahr für die Eindämmung von Corona darstellen kann. Es ist nicht zu unterschätzen, was gebildete Menschen mit einer entsprechenden Rhetorik bei einem bestimmten Teil der Bevölkerung auslösen können, was dafür sorgt, dass das ganze Gefüge aus dem Gleichgewicht gerät.

Dazu tragen auch Prominente bei, die Verschwörungstheorien teilen und dubiose Fans haben, aber auch WhatsApp-Gruppen, in die entsprechende Videos hineingeschickt werden, indem man sich gleichzeitig als andersdenkende Freunde bezeichnet. Eine Diskussion ist oft chancenlos.

Man kann nur hoffen, dass es bei einer Pandemie bleibt, die hauptsächlich die Gesundheit gefährdet, und nicht auch noch die Stabilität unserer Regierung.

Dienstag, 05.05.2020

Es gibt einfach nichts Neues, was man erwähnen könnte. Es ist alles gleich, jeden Tag das Gleiche. Naja, da kann man nichts machen!

Donnerstag, 07.05.2020

Endlich sind die Sportstätten im Freien für den Breitensport wieder geöffnet, das heißt, dass ich wieder Golf spielen kann. Endlich eine von den Politikern beschlossene Lockerung der Corona-Maßnahmen, die ich sehr unterstütze, auch wenn ich nicht verstanden habe, wieso riesige Golfplätze nicht einfach geöffnet bleiben können, unter der Auflage, alleine zu spielen. Ich war sehr glücklich, endlich wieder spielen zu können, auch wenn meine Leistung in meiner ersten Runde nach gefühlt acht Wochen eher mäßig war, konnte ich es endlich wieder genießen. Ohne den Sport fühlt man sich wesentlich schlechter und droht eher in traurige oder depressive Gedanken zu verfallen. Ich glaube, das geht vielen so, und alle werden jetzt wohl mehr Energie dafür haben, diese Krise durchzustehen.

Am Montag geht die Schule auch für uns wieder los, natürlich unter strengen Schutzauflagen. Ich bin gespannt, wie anders der neue Unterricht sein wird. Ich hätte nie gedacht, dass ich das mal sage, aber nach fast zwei Monaten ruhenden Unterrichts bin ich froh, wieder in die Schule gehen zu können, weil es langsam zu langweilig wird.

Freitag, 08.05.2020

Meine Gedanken kreisen um vieles, aber irgendwie nicht um Corona. Verdränge ich das etwa? Betreibe ich eine Form der Abwehrmechanismen, mit denen mich mein Ich vor der verzweifelten Todesangst retten möchte, die ungesehen in einem aufsteigt, langsam und kaum greifbar, doch irgendwann rettungslos?

Keine Ahnung. Und diese zwei Wörter klingen so banal und belanglos und irgendwie auch einfach nicht passend für die momentane Situation, aber sie stimmen. Ich weiß nicht, wie es weitergehen oder was passieren wird. Vielleicht befinden wir uns gerade im langweiligsten Katastrophenfilm und in den nächsten zehn Minuten kommt schon der Abspann. Vielleicht sind wir auch bloß die erste Folge einer Serie, die bis in die Unendlichkeit geht und noch viel weiter. Vielleicht sind wir ein Buch und eigentlich war der erste Band mit dem Anfang der Corona-Krise abgeschlossen, aber der Autor wittert seine Chance und hört bereits das Geld rieseln, sodass er noch einen zweiten Teil schreibt, unwissend, was überhaupt darin passieren soll.

Momentan passiert es einfach und wir dümpeln so ein bisschen vor uns her. Nicht wie ein reißender Fluss oder ein kleiner Bach, eher wie ein – Planschbecken. Ein kleines Babyplanschbecken in der schon eine Schneeeule, die sich zehn Meter entfernt auf den Boden niederlässt, eine so gewaltige Bodenerschütterung auslöst, dass alles Wasser überschwappt. Und dann beginnt das Baby zu schreien.

Ich weiß nicht, ob die Menschen in diesem Beispiel das Baby sind. Vielleicht auch die Eule. Oder das Wasser. Oder der Kieselweg daneben, der im Wasser ertrinkt. Oder die Ameise, die sich zwischen den Steinen vor ihren Feinden versteckt hat, denn sie hat immer nach oben geschaut in den Himmel und sie musste so dringend an ihr Ziel, dass sie auf alles geachtet und mit allem gerechnet hat. Ein Grünspecht, der in Monstergröße plötzlich hinter ihr auftaucht. Eine Spinne mit hundert Beinen. Ein Ameisenbär in Europa. Alles. Aber kein plötzlich überschwappendes Planschbecken.

Ja, ich glaube sogar, wir sind die Ameise. Fragt sich nur, ob wir schwimmen können.

Krise.
Warte ab!
Sie dauert an,
kein Ende in Sicht . . .
Geduld.

Texte: Charlotte Klenke, Zoe Meißner, Alexander Mengede, Belana Nepicks, Janina Pallin, Lara Röhrig, Skadi Seifert, Manuel van Gelder, Gianluca von Bargen, Pia Wanders, Laura-Marie Wieland, Merit Willrodt

Gedichte: Dalia Srhoj, Charlotte Klenke

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