Insgesamt fünf Oberstufenschüler des AVG unterstützen 12 Flüchtlingskinder beim Bauen ihres Traumhauses aus Holz.

Foto: Markus Joosten

Insgesamt fünf Oberstufenschüler des AVG unterstützen 12 Flüchtlingskinder beim Bauen ihres Traumhauses aus Holz.

WESEL.   Am AVG bauen Oberstufenschüler mit Flüchtlingskindern ein Haus aus Holz. So können diese beim Handwerken ungezwungen ihr Deutsch verbessern

Es wird gehämmert, gesägt und geklebt – im Untergeschoss des Andreas-Vesalius-Gymnasiums (AVG) ist einiges los, zeitweise wird es auch richtig laut. Ein Traumhaus soll entstehen, das Oberstufenschüler gemeinsam mit Flüchtlingskindern bauen. Am Dienstag startete das Pilotprojekt für Seiteneinsteiger, kurz SeiTe, das von der Siemens-Stiftung und vom Verein MINT EC finanziell gefördert wird – in ganz Deutschland sind es derzeit 20 Pilotprojekte.

Haitham ist voll bei der Sache. Vier beherzte Schläge und der Nagel steckt im Holz. „Das macht Spaß“, sagt der 14-Jährige aus dem Irak und freut sich, dass sein Giebelhaus langsam Gestalt annimmt. „Du musst noch einen Nagel in die Mitte hauen“, leitet ihn Henrik Bosse an. Der Oberstufenschüler ist einer von Fünf, die insgesamt zwölf Seiteneinsteiger unterstützen. „Ich bin wirklich erstaunt, was er schon alles kann“, sagt Bosse, der früher mit seinem Opa viel gewerkelt hat und sein Wissen an Haitham und die anderen weitergibt.

Ungezwungen ins Gespräch kommen

„In erster Linie geht es darum, dass die Schüler ungezwungen ins Gespräch kommen und so Deutsch lernen, ohne es zu merken“, sagt Christian Karus, MINT-Ansprechpartner des AVG. Das Fach Technik eigne sich da besonders gut, weil das der kleinste gemeinsame Nenner sei. „Jeder hat schonmal irgendetwas gebaut“, sagt Karus. Bei den Naturwissenschaften, Mathe oder Informatik sehe das schon anders aus.

Vor den Sommerferien haben einige Schüler der Oberstufe mit Christian Karus das Projekt nach Aufruf der Siemens-Stiftung entwickelt, konnten überzeugen und werden nun ein Schuljahr mit der Anschaffung des Materials unterstützt. Jede Woche werden sich die Schüler treffen, um gemeinsam das Traumhaus und einen heißen Draht zu bauen sowie einen Roboter zu löten. Als Verständigungshilfe haben die AVG-Schüler eine Vokabelliste erstellt – zu sehen ist ein Bild des Werkzeugs und daneben die Beschreibung.

Auch die Flüchtlingsmädchen sind mit Eifer dabei

Doch nicht nur Jungen bauen fleißig an ihren Häusern, es sind auch einige Mädchen dabei, wie Saher. Die elfjährige Afghanin ist mit Eifer dabei und sägt eine Holzplatte recht schnell in zwei Teile. Dabei lacht sie. Saher spricht nur gebrochen Deutsch, doch tut das der Verständigung keinen Abbruch, findet Ilham Romdhani. „Dann kommunizieren wir mit Händen und Füßen.“ Die 18-jährige engagiert sich wie alle, die an dem Projekt beteiligt sind, ehrenamtlich. „Die Flüchtlingskinder lernen ja nicht nur von uns, sondern wir auch von denen. Wie zum Beispiel deren Sprache und Kultur. Gerade wusste ich noch, was Haus auf Albanisch heißt.“

Susanne Kollmann