Wesel: Weselerin punktet gleich doppelt
 
Lena Fischer spielt Badminton auf hohem Niveau.FOTO: Joosten 
 
Wesel. Lena Fischer ist eine sehr gute Schülerin und eine Top-Badminton-Spielerin. Viermal in der Woche trainiert das Mädchen, um das hohe Niveau zu halten. Die 16-Jährige berichtet, wie sie beides unter einen Hut bekommt.
 

Der Gong ermahnt die Schüler zum Weg in die Klassenzimmer, doch Lena Fischer schlägt eine andere Richtung ein. Sie hat einen Termin bei der Leiterin des Andreas-Vesalius-Gymnasiums (AVG), in deren Büro sie sich von Dorothée Brauner und Sportlehrer Patrick Pechtl so einiges anhören darf. Die 16-Jährige wird rot, weiß zeitweise gar nicht, wo sie hingucken soll - so begeistert reden die beiden Pädagogen über ein Musterbeispiel, wie man Top-Leistungen in Schule und Sport vereinen kann.

"Im Leistungssport zählen früh häufig schon die Ellenbogen. Aber Lena besticht durch ihre sozialen Kompetenzen und ihre Bescheidenheit", sagt Diplom-Sportlehrer Pechtl, der mit seinem Kollegen Steffen Qual die steile Karriere des Talentes im Blick hat. Lena Fischer besucht die elfte Klasse des AVG. Nicht nur in ihren Leistungskursen Sozialwissenschaften und Deutsch versucht sie, ihren Einser-Schnitt zu halten. "Das ist mir schon sehr wichtig", sagt die Weselerin, die beim BV Rot-Weiß Badminton spielt. Und zwar auf einem Niveau, wie man es nur mit viel Talent und vor allem Fleiß tun kann. Viermal pro Woche trainiert sie, um Erfolge wie zuletzt die beiden Siege bei der Deutschen U19-Rangliste (als 16-Jährige!) im Damendoppel mit Paula Kick (TV Refrath) feiern zu können.

 
 
Sportlehrer Patrick Pechtl und Schulleiterin Dorothée Brauner vom Andreas-Vesalius-Gymnasium sind stolz auf Lena Fischer. Die 16-Jährige bringt Sport und Schule gut unter einen Hut.FOTO: Joosten 

Ebenfalls genau im Blick hat Dorothée Brauner, dass die schulischen Leistungen nicht leiden. Denn Fischer muss häufiger für hochklassige Turniere, auch im Ausland, von der Schule freigestellt werden. "Sie holt alles verlässlich nach und ihre Noten sprechen für sich", so Brauner, die an ihrer Schule versucht, nur so viel Nachmittagsunterricht wie nötig einzubauen und ein Plädoyer für Vereine generell hält. "Dort werden - neben unseren AG-Angeboten, die in unserer flexiblen Tagesstruktur auch gut angenommen werden - Interessen vertieft. So etwas gibt Halt und prägt die Persönlichkeit", sagt die AVG-Chefin. "Ich glaube auch, dass man dort durch Niederlagen lernt, mit Rückschlägen besser zurechtzukommen. Frustrationstoleranz ist etwas, das einige Kinder noch lernen müssen."

Eine sehr frustrierende Phase folgte für Fischer auf den Ermüdungsbruch des fünften Lendenwirbels. Kurz nach ihrer Silbermedaille bei den Deutschen U17-Meisterschaften mit Jule Petrikowski (Phönix Hövelhof) im Damendoppel im Februar spielte der Körper über Monate nicht mehr mit. "Das war auch der Grund, warum ich mich dann doch gegen den Sport-Leistungskurs entschieden habe", sagt Lena Fischer, die betont, wie wichtig ihr Feedback ist - von Lehrern, Trainern, Freunden und der Familie.

 

Wegen ihres drei Jahre älteren Bruders Luca hatte sie mit sechs Jahren überhaupt zum ersten Mal zum Badmintonschläger gegriffen. Auch für die Eltern Martina und Axel Fischer ein Griff mit Folgen. Seit acht Jahren fahren sie ihre Tochter neben den Einheiten beim BV Wesel in der Rundsporthalle mehrfach pro Woche zum Training zum Landesstützpunkt nach Mülheim und nach Bochum, wo sie von BV-Routinier Thorsten Hukriede gecoacht wird. "Diese Unterstützung ist unbeschreiblich und ich bin allen Leuten sehr dankbar dafür", sagt die 1,78 Meter große Doppel- und Mixedspezialistin.

Die bislang schwerste Entscheidung ihrer Karriere hatte sowohl mit der Schule als auch ihrem Sport zu tun. Zweimal sollte sie nach den Vorstellungen der Verbandsverantwortlichen auf das Badminton-Internat nach Mülheim wechseln, wie es einige Rot-Weiße bereits getan haben. Doch sie hat sich für den Verbleib am AVG entschieden. "Mit 14 Jahren fühlte ich mich einfach noch nicht reif dafür. Mit 15 musste ich Monate lang überlegen. Letztlich waren mir zum einen meine Familie, meine Freunde, die Schule und mein Kater Quintus aber zu wichtig", sagt Lena Fischer. "Zudem könnte ich in Mülheim meinen Trainingsplan und die Schule nicht komplett selbst organisieren. Und das ist mir schon sehr wichtig."

Die Schülerin hat auch schon über ihre Karriere nachgedacht - mit überraschendem Zwischenstand. Derzeit darf sich das Finanzamt auf eine äußerst engagierte und sympathische Nachwuchskraft freuen. "Aber Lehrerin fände ich auch noch gut", sagt Lena Fischer. Dorothée Brauner lächelt.

(an)