Sich ohne Scham auf eine Bühne zu stellen und bloß dabei nicht anfangen zu lachen – das bleibt wohl eine Kunst für sich, der wir auf die Schliche kommen wollten.

An Fronleichnam hatte Friederike Baldin, eine unserer Ehemaligen, die momentan Unterricht an einer Schauspielschule nimmt, sich auf den Weg nach Wesel gemacht, um uns genau dabei zu helfen.

Im Gepäck hatte sie einige Übungen, an denen sie sich selbst täglich erprobt, wie zum Beispiel Koordinations- und Assoziationsspiele, bei denen es vorrangig darum ging, durchweg aufmerksam zu sein und als Gruppe zu agieren.

Denn wie wir selbst beim Improvisationstheater untereinander beobachten konnten, muss auch der Statist in der letzten Reihe eine Bühnenpräsenz ausstrahlen, als wäre er der Hauptdarsteller, damit das ganze Bühnenbild nicht in sich zusammen fällt.

Und weil die Bühne groß ist und der Zuschauer weit weg sitzt, lebt das Schauspielen von Übertreibung, die einfach zur Persönlichkeit der zu spielenden Rolle dazugehört.

Und schlussendlich geht es genau darum – um Rollen, deren Identität wir annehmen, sobald wir die Bühne betreten und durch die wir dann von unserer eigenen Persönlichkeit frei werden. Wenn du nämlich genau weißt, wen du darstellst, wie diese Person in welchem Zusammenhang agiert und wo sie sich befindet, muss dir nicht mehr peinlich sein, was diese Person – deine Rolle – da oben auf der Bühne macht.